Vom jugoslawischen Gastarbeiter zu einem der erfolgreichsten Großgastronomen und Gourmet-Caterer Südostbayerns – das ist die Lebens- und Erfolgsgeschichte von Gentscher Kostadinov aus Altötting. Und diese setzt sich in der nächsten Generation fort, mit Sohn Alexander.
64 Jahre ist der Senior alt und bekannt wie ein bunter Hund – aber nur als Gentscher. "Meinen Vornamen halten fast alle erst einmal für den Nachnamen", sagt er. Ende der 1960er Jahre kam der Mazedonier nach Bayern, angeworben von der bayerischen Gastronomie. In seiner Heimat hatte er Koch gelernt und auch dem wohl berühmtesten Jugoslawen seine Küchenkreationen servieren dürfen: Marshall Josip Broz, Staatschef Tito. Dass er einmal den gar den europäischen Hochadel bekochen wird, hatte er sich damals noch nicht ausgemalt.
Über Arbeitsstellen in Wasserburg, Steinhöring, München und Rosenheim kam er – mit Frau Barbara und Sohn Alexander – nach Burghausen und dann über Pfarrkirchen nach Neuötting, wo Gentscher im Baronhaus ein gehobenes Restaurant eröffnen wollte. Stattdessen aber baute er für Bernd Nickel (Edeka) einen Catering-Service auf, ehe er sich Anfang der 1990er Jahre selbständig machte. Nach einer Zwischenstation im Betriebsrestaurant im Müllheizkraftwerk in Burgkirchen startete das Unternehmen im Gewerbegebiet Am Hirschwinkel in Altötting 1999 mit einem eigenen Partyhaus durch.
Haben den Partyservice K.L. Gentscher zum Erfolg geführt: Vater Gentscher und Sohn Alexander Kostadinov in der Küche ihres Partyhauses in Altötting.
Sohn Alexander war mittlerweile schon in der Ausbildung im Betriebsrestaurant der Wacker Chemie und lernte hier beides: Großküche mit bis zu 1700 Essen und die feine Küche fürs Casino, wo Gäste der Werksleitung speisten, Geschäftsfreunde und hochrangige Politiker zuvorderst. Nach der Lehre ging es umgehend heim – "auch wenn ich noch gerne auf einem Schiff gekocht hätte", wie der Junior zugibt.
Mit einer Handvoll Mitarbeiter ging es los vor über 15 Jahren, jetzt sind es 60 Angestellte, hinzu kommen noch Servicekräfte, die von Partnerfirmen angemietet werden. Vor drei Jahren hat Alexander Kostadinov (34) den Betrieb übernommen, der Vater steht ihm aber ebenso zur Seite wie Mutter Barbara und Frau Rosina, die für die Buchhaltung zuständig sind. Eine aussagekräftige Messzahl für den Erfolg ist auch der Umsatz: 1992 lag er bei 78000 Mark, 2014 bei gut 1,5 Millionen Euro. Beigetragen hat hierzu auch die Übernahme der Firmenrestaurants von ODU in Mühldorf und Netzsch in Waldkraiburg sowie das Catering im Kultur + Kongress Zentrum Altötting.
Zu den Kunden des Party-Service K.L. Gentscher gehören Adelige – Tüßlings Schlossherrin Stephanie von Pfuel allen voran, aber auch andere klingende Namen wie Montgelas – ebenso wie große, teils weltweit tätige Unternehmen, Geldinstitute, russische Oligarchen, Privatleute aus den USA, der Schweiz oder auch China sowie Promis wie Roberto Blanco. Die Reichweite hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls vergrößert: Der Aktionsradius reicht von Kaprun bis zum Schweriner See. Und was die Kapazitäten der Küche anbelangt, ist auch hier eine große Bandbreite möglich: von der sechsköpfigen Gesellschaft eines ortsansässigen Mediziners bis zum A-la-Carte-Catering für 850 Personen bei Kabarett im Zelt in Tacherting. Dass Großveranstaltungen wie die Tüßlinger Gartentage bis zu 20000 Leute anziehen, steht auf einem anderen, zusätzlichen Blatt. "Aber das haben wir ja nicht allein gemacht", sagt Alexander Kostadinov und spielt damit auf Imbissstände an.
Ein Vierteljahrhundert im Catering-Geschäft – was hat sich geändert? "Der Anspruch ist gestiegen, Essen ist ein Event", sagt der Senior-Chef. Und Wert werde darauf gelegt, dass alles frisch und vor Ort zubereitet wird. Deshalb hat sein Unternehmen auch mobile Cateringzüge für alles Material, was zum Kochen "auf der grünen Wiese" gebraucht wird.
Auch im Altenteil steht Vater Gentscher noch am Herd. Sohn Alexander ist dafür zuständig, dass das Geschäft erst einmal an Land gezogen und gewinnbringend abgewickelt wird. Dafür hat er eigene Computerprogramme entwickelt, neue Marketingformen umgesetzt – wobei die wichtigste Art der Werbung noch immer die persönliche Empfehlung ist. Und diese sprechen nur zufriedene Kunden aus.
Qualität spricht für sich. Und dazu kommt noch das ehrenamtliche Engagement in Köcheausbildung und -verband sowie der soziale Einsatz in der alten Heimat des Vaters. Nicht zuletzt weil all das mit K.L.Gentscher – K. steht für Kostadinov, L. für Lazar – gleich gesetzt wird, bleibt der Firmenname unverändert – auch wenn der Chef jetzt Alexander Kostadinov heißt; lediglich moderner gestaltet hat der Junior den Schriftzug.

Für ihr Engagement in den den Standesorganisationen der Köche sind Gentscher und Alexander Kostadinov hoch geschätzt. Vergangene Woche waren Andreas Becker, Präsident des Verbands der Köche Deutschland, und Josef Rahm vom Köcheverein InnSalzach zu Gast. Deutschland- und österreichweit ist der Catering-Service unterwegs. Stilvolle Tischdeko gehört dazu – im Bild links ein Fest in Benediktbeuern.
− Fotos: Schwarz/Kostadinov Dokumenten Information Copyright © Passauer Neue Presse 2015 Dokument erstellt am 2015-08-20 02:00:20